Neue Rechnungslegung.

Seit Inkrafttreten des KAGB gelten auch neue investmentrechtliche Rechnungslegungsvorschriften für geschlossene Fonds. An die Stelle der Vorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB) sind die weitgehend neuen Regelungen der so genannten Kapitalanlage-Rechnungslegungs- und Bewertungsverordnung (KARBV) getreten. Hinter diesem sperrigen Titel verbergen sich tiefgreifende Veränderungen, die wesentliche Prinzipien des HGB (insbesondere das Gläubigerschutzprinzip und das Realisationsprinzip) außer Kraft setzen. Die neue investmentrechtliche Rechnungslegung folgt vielmehr an vielen Stellen dem aus den IFRS bekannten Prinzip des „True and Fair View„, das für eine transparente Darstellung der aktuellen Vermögens- und Ertragssituation sorgen soll. Für alle Sachverhalte, die in der KARBV nicht geregelt sind, gelten weiterhin die Vorschriften des HGB.

Für Finanzabteilungen, die bislang nur mit dem HGB befasst waren und keinen Bezug zur IFRS-Buchhaltung hatten, wird diese Umwälzung ein grundlegendes Umlernen erfordern.

Im Detail sieht der Entwurf der KARBV unter anderem folgende Veränderungen vor:

  • Es ändern sich die Vorschriften für die Gliederung des Jahresabschlusses (u.a. Bilanz in Staffelform, Eigenkapital als letzte Bilanzposition), den Ausweis und die Bewertung von Bilanzpositionen (u.a. Vorgaben zu Bewertungsverfahren) sowie die Angabepflichten in Anhang und Lagebericht.
  • Vermögensgegenstände des Investmentanlagevermögens werden nicht mehr planmäßig abgeschrieben. Sie sind vielmehr zum Ende des Geschäftsjahres nach geeigneten Verfahren zu bewerten und mit dem ermittelten Wert zu bilanzieren. Der nicht realisierte Gewinn oder Verlust verändert über einen Sonderposten das Eigenkapital. Das Anschaffungskostenprinzip des HGB gilt nicht mehr.
  • Anschaffungsnebenkosten für einen Vermögensgegenstand werden in einem aktiven Sonderposten erfasst und über maximal 10 Jahre abgeschrieben.
  • Die Erstellung eines HGB-Abschlusses ist nicht mehr erforderlich.
  • Für die Erstellung der Steuerbilanz ist eine Überleitungsrechnung erforderlich.
  • Für jeden AIF ist ein Lagebericht zwingend zu erstellen.
  • Die Rolle des Abschlussprüfers und der Prüfungsumfang wird erheblich erweitert.
  • Der sogenannte Jahresbericht besteht aus Jahresabschluss, Lagebericht, Erklärungen der gesetzlichen Vertreter nach Vorschriften des HGB sowie den Bestätigungen des Abschlussprüfers.
  • Die Frist für die Offenlegung des Jahresberichtes verkürzt sich auf 6 Monate nach Ende des Geschäftsjahres.

Aus diesen neuen Vorschriften ergeben sich für die Strukturierung geschlossener Fonds zahlreiche Konsequenzen. Zum Beispiel kann die jährliche eigenkapitalwirksame Bewertung der Objekte dazu führen, dass bei einem (wenn auch nur vorübergehenden) Wertverlust eines Vermögensgegenstandes die 60%-Leverage-Grenze verletzt wird. Es wird in sofern erforderlich sein, bereits bei der Strukturierung eines Fonds Sicherheitsreserven einzukalkulieren und die gesetzliche Leverage-Grenze nicht maximal auszureizen. Die Nichteinhaltung der Leverage-Vorschriften würde anderenfalls Sanktionen nach sich ziehen und zumindest zu einer Ausschüttungssperre führen.

Noch nicht endgültig geklärt ist die Frage der Bewertungseinheiten bei der Bewertung und Bilanzierung derivativer Finanzinstrumente, sofern diese zur Absicherung eines Darlehens als Grundgeschäft abgeschlossen wurden. Sollte es hier zu einer getrennten Bilanzierung und Bewertung kommen, würde dies zu einer hohen Volatilität der Vermögens- und Ertragslage eines AIF führen, da Veränderungen der Zins- und Währungsmärkte unmittelbar in die Bilanz und GuV (ebenfalls mit Auswirkungen auf die Leveragequote) durchschlagen würden.