Unterschiede zwischen offenen und geschlossenen Fonds.

Obwohl die rechtlichen Rahmenbedingungen sich angeglichen haben, gibt es nach wie vor erhebliche praktische Unterschiede zwischen offenen und geschlossenen Fonds. So unterscheidet sich die Verwaltung geschlossener Fonds maßgeblich von der früher durch die Kapitalanlagegesellschaften ausgeübten Verwaltung offener Investmentfonds. Das Geschäft mit geschlossenen Fonds ist wesentlich kleinteiliger. Im Jahr 2012 betrug das durchschnittliche Volumen eines geschlossenen Fonds etwa 24,1 Mio. EUR (Quelle: VGF Branchenzahlen 2012). Offene Investmentfonds haben dagegen durchschnittlich das mehr als sechsfache Volumen (149,5 Mio. EUR laut BVI Zeitreihe 2012). Diese Kleinteiligkeit im Umgang mit geschlossenen Fonds erfordert eine gänzlich andere Herangehensweise, als eine Kapitalanlagegesellschaft (KAG) dies bislang bei offenen Fonds gewohnt war.

Früher war die Strategie der meisten KAGs auf hohe Volumina und eine geringe Zahl von Fonds ausgerichtet. Die Verwaltung geschlossener Fonds erfordert jedoch die Fähigkeit zum Umgang mit einer großen Anzahl von kleineren Fonds, mithin also ein hohes Maß an Standardisierung, Automatisierung und Prozesseffizienz. Trotzdem werden geschlossene Fonds aufgrund ihres Beteiligungscharakters immer mehr Verwaltungsaufwand verursachen als ein elektronisch handelbarer offener Fonds.

Hierauf muss eine Organisation eingestellt sein. Insbesondere bei Dienstleistern, die sowohl offene als auch geschlossene Fonds verwalten, stellt sich die Frage nach den internen Prioritäten, zum Beispiel wenn ein offener Fonds mit 500 Mio. EUR Volumen und ein geschlossener Fonds mit 30 Mio. EUR Volumen um die internen Ressourcen der KVG konkurrieren. Dieser potentielle Interessenkonflikt der KVG erfordert Transparenz und belastbare Vereinbarungen in den Verträgen.